Pandemie: Hexenschuss im Kopf

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Der Glaube an konspirative Mächte floriert auch in Israel – selbst unter angesehenen Physiotherapeuten.

Inge Günther | Frankfurter Rundschau

Eine Mitarbeiterin der israelischen Hilfsorganisation Magen David Adom bereitet in einem Seniorenzentrum eine Spritze mit einer Dosis Corona-Impfstoffs vor. ©Maya Alleruzzo/dpa

Wer ihn mal hatte, weiß sofort, was das ist. Ein Hexenschuss. Schlagartig hat er mich neulich erwischt. Zu lange vor dem Computer gehockt, zu wenig Sport, plötzlich geht nichts mehr. Der Rücken ist wie eingefroren. In gebeugter Haltung schleppt man sich dahin, unfähig zum aufrechten Gang. Nach ein paar Tagen war die Qual vorbei und der Hexenschuss zentimeterweise besiegt. Aber sich in professionelle Hände zu begeben, kann ja nichts schaden, statt sich daheim mit Yogaübungen abzumühen.

Und so lande ich auf der Behandlungsliege eines Jerusalemer Osteopathen, gerühmt ob seiner wundersamen Künste. Noch während er fachmännisch mein Körpergestell begutachtet, erkläre ich ihm, nennen wir ihn Iwo, dass ich mir gerade den dritten Booster-Shot gegen Covid-19 habe verpassen lassen. Meist kommt die Information, rundum geimpft zu sein, bei Treffen mit Israelis gut an, quasi als Versicherung, es nicht mit einer fahrlässigen Virusschleuder zu tun haben.

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