Corona an den Schulen: Wissenschaft und Angst


Der Streit um die Empfehlung der Berliner Amtsärzte zeigt, dass die ständige Aufforderung, der Wissenschaft zu folgen, politische Entscheidungen nicht ersetzt

Peter Nowak | TELEPOLIS

Symbolbild: Markus Spiske/Unsplash

Gestern haben sich die Gesundheitsminister der Länder auf eine bundesweit einheitliche Regelung für den Umgang der Corona-Pandemie an Schulen ausgesprochen. Die wichtigste Neuerung besteht in der Lockerung der Quarantäneregelungen.

Bei einem Quarantänefall in einer Schulklasse müssen künftig nicht mehr die ganze Gruppe oder Klasse, sondern nur noch die Nachbarn des Betroffenen in Quarantäne. Es gehe darum, möglichst viel Präsenzunterricht zu gewährleisten, begründete der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek, der aktuell als Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz fungiert, die Lockerungen.

Erst letzte Woche hatte eine Empfehlung von zwölf Amtsärzten verschiedener Berliner Bezirke für Aufregung gesorgt. Sie hatten eine Abschaffung der Quarantänepflicht auch für Sitznachbarn von Infizierten angeregt. Ihrer Empfehlung nach hätten nur noch Kinder und Lehrer bzw. Erzieher mit einem positiven PCR-Test und deren engste Familienangehörige in eine 14-tägige Quarantäne gemusst – nicht mehr sonstige Kontaktpersonen wie Sitznachbarn oder die ganze Klasse/Gruppe.

Die Amtsärzte begründen diesen Strategiewechsel mit dem Schutz von Kindern und Familien vor den sozialen und psychologischen Folgen einer Quarantäne. Zudem verwiesen sie auf Studien, die im Testen enger Kontaktpersonen von Infizierten eine ebenso große Schutzwirkung wie in Quarantänemaßnahmen sehen.

Da die Quarantäne größere Auswirkungen auf die Betroffenen und ihr Umfeld hätte, wäre sie unverhältnismäßig, wenn die Schutzwirkung mit Mitteln mit geringeren Auswirkungen ebenso zu erreichen ist.

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