Wie die afghanische Biometrie-Datenbank in die Hände der Taliban gelangte


Iris-Scans, Familienbeziehungen, persönliche Vorlieben: Eine von den USA initiierte Datensammlung gegen Betrug bedroht nun Menschenleben.

Eileen Guo, Hikmat Noori | heise online

(Bild: Andrea Daquino)

Als der Siegeszug der Taliban Mitte August durch Afghanistan fegte und sich das Ende des zwei Jahrzehnte währenden Krieges mit den westlichen Nationen ankündigte, machten schnell Berichte die Runde, dass die Islamisten auch biometrische Geräte des US-Militärs erbeutet hatten. Diese dienten zur Erfassung biometrischer Daten wie Iris-Scans, Fingerabdrücke und Gesichtsscans. Einige befürchteten, dass durch die als HIIDE („Handheld Interagency Identity Detection Equipment“) bezeichneten Geräte, Afghanen gefunden und verfolgt werden könnten, die die ausländischen Truppen unterstützt haben.

Laut Experten, die mit MIT Technology Review gesprochen haben, bieten die von den Taliban erlangten US-Gerätschaften jedoch nur begrenzten Zugang zu biometrischen Daten, die noch immer auf sicheren Servern gespeichert sind. Die Recherchen zeigen jedoch, dass eine größere Bedrohung von den Datenbanken der afghanischen Regierung selbst ausgeht, die sensible persönliche Informationen enthalten und zur Identifizierung von Millionen von Menschen im ganzen Land verwendet werden könnten.

MIT Technology Review sprach mit zwei Personen, die mit einem dieser Systeme vertraut sind, der von den USA finanzierten Datenbank namens APPS („Afghan Personnel and Pay System“). Es wurde sowohl vom afghanischen Innen- als auch vom Verteidigungsministerium für die Bezahlung von Armee und Polizei verwendet und ist wohl das sensibelste System seiner Art im Lande, da es extrem detaillierte Informationen über das Sicherheitspersonal und dessen erweitertes Netzwerk enthält. MIT TR hat den Quellen Anonymität gewährt, um sie vor möglichen Repressalien zu schützen.

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