Antibiotika: Wenn der Schutz des Menschen zweitrangig wird


Das EU-Parlament hat sich gegen Reserveantibiotika ausgesprochen, die der Humanmedizin vorbehalten bleiben sollten. Die Argumentation der Gegner war entlarvend.

Wolfgang Böhm | Die Presse

Antibiotika werden in der Hühnerhaltung angewandt. Die Presse (Fabry)

Was ist ein Menschenleben wert? Die zunehmende Antibiotikaresistenz droht neben dem Klimawandel zu einem der großen Probleme des Jahrhunderts zu werden. In beiden Fällen stehen jedoch kurzsichtige Wirtschaftsinteressen und Angst vor einem Strukturwandel den notwendigen Reformen entgegen. Wohl auch deshalb hat nun das Europaparlament mehrheitlich dagegengestimmt, fünf Antibiotika-Gruppen als Reserveantibiotika einzustufen, die vorwiegend für die Humanmedizin reserviert bleiben sollten.

Damit hätte garantiert werden können, dass es sichere Alternativen für Menschen gibt, bei denen herkömmliche Antibiotika nicht mehr wirken – ein Schutz insbesondere gegen lebensgefährliche bakterielle Erkrankungen. Aber durchgesetzt hat sich vorerst nicht das Menschenwohl, sondern jenes der Agrargroßbetriebe. Denn Antibiotika werden in der Massentierhaltung eingesetzt, um die Ausbreitung von Krankheiten in engen Ställen zu verhindern. 44 Tonnen Antibiotika werden laut Ages jährlich allein in Österreich in der Veterinärmedizin eingesetzt – oft präventiv.

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