Dekolonisierte Ornithologie: Warum einige Vögel neue Namen brauchen


Pflanzen und Tiere wurden zu Kolonialzeiten mit Namen belegt, die sich bis heute in der international anerkannten biologischen Nomenklatur finden. Nun fordern Wissenschaftler, die Bezeichnungen kritisch zu hinterfragen – und zu dekolonisieren.

Carina Schroeder | Deutschlandfunk Kultur

Die Pünktchenente wurde früher Hottentottenente genannt, nach einer aus der Kolonialzeit stammenden rassistischen Bezeichnung für Menschen aus Südafrika und Namibia. (imago/imagebroker)

David Lindo ist Experte für städtische Vögel – sein Spitzname: „The Urban Birder“. Fasziniert ist er von Vögeln seit seiner Kindheit. Schwarze Vorbilder unter den Vogelkundlern fehlen ihm allerdings mindestens genauso lange.

„Es gibt 11.000 Vogelarten und ich kenne nicht eine, die nach einer schwarzen Person benannt ist. Viele sind nach weißen Männern benannt, wenige nach Frauen. Und von denen wurden wieder viele von Männern benannt, um ihre Frau zu ehren.“

„Weiße“ Namen für Vögel

Dafür gibt es einen ernüchternden Grund: „Die Vögel sind zu Kolonialzeiten mit wissenschaftlichen und mit deutschem Namen belegt worden.“

Im 15. bis 19. Jahrhundert – als die Weltmächte expandierten, sich andere Länder aneigneten und deren Bevölkerung brutal unterwarfen – erhielten auch viele Vögel die Namen, mit der sie in der gängigen, international anerkannten biologischen Nomenklatur noch heute verzeichnet sind, erklärt Peter Barthel.

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