Skepsis in Zeiten der Wissenschaftsfeindlichkeit


Sie erproben Strategien im Umgang mit Wissenschaftsleugnern, erforschen durch Netzwerkanalyse den verhängnisvollen Weg vom Esoterik-Fan zum Verschwörungsgläubigen oder nehmen eine seltsame Homöopathiestudie auseinander: Skeptische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Fachgebieten stellten auf der Konferenz der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP)SkepKon“ am vergangenen Wochenende ihre Themen vor. Zum ersten Mal fand die größte deutschsprachige Jahreskonferenz für skeptisches Denken online statt; rund 400 Teilnehmende verfolgten die Vorträge live am Bildschirm und nutzten die Gelegenheit zum Mitdiskutieren.

Inge Hüsgen | hpd.de

Welche Tücken der Umgang mit Vertretern irrationaler Überzeugungssysteme mit sich bringt und wie gute Wissenschaftskommunikation dennoch gelingen kann, fasste bereits der erste Vortrag des Psychologen Dr. Philipp Schmid von der Uni Erfurt wie unter einem Brennglas zusammen. Schmid widmet sich in seinen Forschungen vor allem den Auswirkungen von Falschinformationen auf individuelle Entscheidungen – ein Thema, das angesichts des schleppenden Fortschritts bei der Covid-Impfung erhöhtes Interesse erfährt. Als Co-Autor eines WHO-Ratgebers hat er Strategien zusammengestellt, die den Einfluss von Impfgegnern in Debatten verringern können. Ursprünglich für Gesundheitsbehörden konzipiert, gibt die Veröffentlichung nützliche Tipps für jede und jeden. Die Effizienz dieser Methoden wurde in einer Studie empirisch untersucht. Am Beispiel einer fiktiven Impfgegner-Äußerung zeigte sich, dass Wissenschaftsleugner die Einstellung des Publikums negativ beeinflussen, vor allem wenn ihre Behauptungen unwidersprochen bleiben. Doch Mitdiskutierende können den Schaden verringern, indem sie Falschaussagen faktenbasiert widerlegen oder die rhetorischen Tricks der Leugner entlarven.

Was Wissenschaftsleugnung anrichten kann, zeigte anschließend die Kriminalpsychologin Lydia Benecke anhand von einigen aufsehenerregenden Fällen von manipulativen Persönlichkeiten, die medienwirksam pseudomedizinische Behauptungen verbreiteten. Ähnliche Fälle sowie die psychologischen Hintergründe schildert sie in ihrem demnächst erscheinenden Buch „Betrüger, Hochstapler, Blender„.

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