„Letzte Generation, die Klimazusammenbruch noch aufhalten kann“


Die jungen Hungerstreikenden in Berlin und die lahme Reaktion von Scholz, Laschet und Baerbock

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Screenshot Video Pressekonferenz 15.09. 2021/YouTube

Seit dem 30. August befinden sich sechs junge Menschen zwischen 18 und 27 Jahren in einem Camp in der Nähe des Reichstagsgebäudes in einem Hungerstreik, begleitet von weiteren Aktivisten sowie Ärzten und Psychologen. Seit Montag haben sie aufgehört, Kalorien durch einen Vitaminsaft zu sich zu nehmen. Ein Aktivist musste vorübergehend ins Krankenhaus, macht aber nun weiter mit.

Die dramatische Aktion nennt sich „Hungerstreik der letzten Generation“, die jungen Menschen setzen ihre Gesundheit oder womöglich sogar ihr Leben ein, um vor der Bundestagswahl darauf aufmerksam zu machen, dass ihre Generation die letzte ist, die noch „die Katastrophe des unumkehrbaren Klimazusammenbruchs aufhalten kann“.

Am Tag 18 schreibt Henning Veske, einer der Hungerstreikenden: „Körperlich einfach weiterer Gewichtsverlust. Einige Hungerstreikende gerade mit Schmerzen. Gleichzeitig die Notwendigkeit nach zivilem Widerstand, um das Recht auf Leben zu schützen.“

Die Politiker sollen gezwungen werden, sich der Dringlichkeit zu stellen. Die jungen Menschen sehen sich von der Politik missachtet, selbst die Grünen würden eine unzureichende Klimapolitik betreiben: „Der Generationenvertrag ist gebrochen. Die Verantwortlichen lassen uns im Stich. Sie bringen uns um.“

Mit ihrer verzweifelten und spektakulären Aktion wollen die Aktivisten die drei Kanzlerkandidaten dazu bringen, sich in einer öffentlichen Diskussion mit ihnen dem Thema zu stellen und „über den Mord an der jungen Generation“ zu sprechen. Sie sollen sich verpflichten, sofort nach der Wahl einen einen „Bürger:innenrat“ einzuberufen, um „Sofortmaßnahmen gegen die Klimakrise, unter anderem eine 100% regenerative Landwirtschaft“, zu besprechen.

Annalena Baerbock, Olaf Scholz und Armin Laschet sind wie ihre Parteien durch die Aktion unter Druck geraten und müssen darauf reagieren. In einem gemeinsamen Brief versuchten sie, sich wegzuducken, in dem sie vorschlugen, „einzeln, persönlich und nicht öffentlich“ und das auch noch „nach der Wahl“ mit ihnen zu sprechen. Als Bedingung setzten sie, die Protestaktion in dieser Form zu beenden.

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