Den Ekel zulassen


Die antike Literatur strotzt vor frauenfeindlichen Darstellungen und politisch inkorrekten Inhalten. Die Kieler Altphilologin Katharina Wesselmann wirft einen neuen, feministischen Blick auf alte Texte.

Theodor Kissel | Spektrum

Im Zeitalter von #MeToo und Diversity werden kulturelle Inhalte vielfach neu gelesen und bewertet. Den altsprachlichen Unterricht betrifft das in hohem Maße: In antiken Texten wimmelt es von sexueller Gewalt, Frauenfeindlichkeit und Diskriminierung.

Verfasst wurden diese fast ausschließlich von Männern. Diese »literarische Maskulinisierung« ging offenbar mit der Verharmlosung und Billigung von sexueller Gewalt einher, was auf heutige Leser verstörend wirkt. Der Raub der Sabinerinnen wird in der römischen Geschichtsschreibung als notwendiger Akt der Staatsräson beschrieben, um den Fortbestand des römischen Staats zu sichern. Und beim römischen Komödiendichter Terenz wird die Eheschließung von Vergewaltiger und Opfer als Happy End geschildert.

Wie mit antiker Kultur umgehen?

Wie sollte man also im Schulunterricht mit einer Kultur umgehen, die Frauen als Besitz ansah und sexuelle Gewalt gesellschaftlich legitimierte? Diese Frage stellt sich Katharina Wesselmann, Professorin für Fachdidaktik der Alten Sprachen an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, im vorliegenden Buch.

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