Erdogans Finger im deutschen Wahlkampf


Kurz vor den Bundestagswahlen werden in deutsch-türkischen Chats, Internetforen und sozialen Medien fleißig Wahlempfehlungen verbreitet. Einige dieser Appelle kommen einem Aufruf zum Boykott gleich, meint Elmas Topcu.

Elmas Topcu | Deutsche Welle

Geht es nach Ankara, sollen ihn die Deutschtürken auf keinen Fall wählen: Cem Özdemir und seine Partei, Die Grünen

Anhänger der türkischen Regierungspartei AKP verbreiten Postings über die deutschen Parteien, bewerten ihre Leistungen der vergangenen Jahre und sprechen Wahlempfehlungen aus.

Die Union sei insbesondere wegen ihrer Islam-Politik nicht wählbar. Mit der Äußerung von Innenminister Horst Seehofer, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, habe sie sich ins Abseits gestellt. Auch die SPD mit ihrer Sympathie für türkische Oppositionelle, Gülenisten und Exilanten scheide für deutsch-türkische Wähler aus. Die Grünen mit dem „Türkei-Feind Cem Özdemir“ und Die Linke mit der „PKK-Anhängerin Sevim Dagdelen“ kämen sowieso nicht in Frage. Die FDP habe zwar keinen Türken- oder Islam-Hass geäußert in den vergangenen Jahren, werde aber bei einer eventuellen Regierungsbeteiligung kein Freund von Ankara oder der Muslime sein. Im Grunde seien diese Parteien alle unwählbar. Das klingt fast nach einem Aufruf zum Wahlboykott.

Mobilisierung für Kleinstparteien

Schon vor der Bundestagswahl 2017 gab es ähnlich Töne – damals direkt aus dem Amtssitz des Präsidenten in Ankara. Recep Tayyip Erdogan höchstpersönlich rief die Wahlberechtigten türkischer Herkunft dazu auf, nicht für die Union, die SPD und die Grünen zu stimmen – sie alle seien Feinde der Türkei!

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