Kirchliche Widerstände gegen Blitzableiter: Ein Misstrauensvotum gegen Gott


Bei den Griechen war es einfach. Da schleuderte Gott Zeus die Blitze. Auch viele Christen sahen in Blitzen den Ausdruck himmlischer Macht. Gegen Blitzableiter auf Kirchendächern regte sich Widerstand: Pfuschte man damit nicht Gott ins Handwerk?

Elmar Krämer | Deutschlandfunk Kultur

Laut dem Deutschem Wetterdienst gibt es durchschnittlich 20 bis 35 Gewittertage im Jahr, wobei der Süden des Landes häufiger heimgesucht wird als der Norden. Zu einem ordentlichen Gewitter gehören auch Blitze, die unberechenbar vom Himmel zucken und laut Statistiken allein im Jahre 2020 fast 400.000 Mal in Deutschland einschlugen: in die Erde, in Bäume, Wohnhäuser und auch Kirchen. Denn letztere sind nicht selten die höchsten Gebäude, zumindest in kleineren Orten und Städten.

Doch die Blitze richten heutzutage meist keinen größeren Schaden an – was den Blitzableitern zu verdanken ist, die seit rund 250 Jahren zum Beispiel auf Kirchen in Deutschland Standard sind.

Frevel und Verschandelung des Kirchturms

1769 wurde der erste Blitzableiter Deutschlands angebracht – an der Jacobikirche in Hamburg. Treibende Kräfte waren der Arzt und Naturforscher Johann Albert Heinrich Reimarus, der in der „Patriotischen Gesellschaft“ zuvor einen Vortrag über Blitzableiter gehalten hatte und Matthias Andreas Mettlerkamp, seines Zeichens Innungsmeister der Bleidecker der Hansestadt. Sie waren überzeugt von dem Nutzen der Erfindung Benjamin Franklins, mussten aber zuerst Überzeugungsarbeit leisten.

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