Mit Schimpansen sprechen


In den 60er-Jahren zieht der Psychologe Roger Fouts die Schimpansin Washoe auf wie ein menschliches Kind und bringt ihr Gebärdensprache bei. Die Erkenntnisse sind bahnbrechend. Doch am Ende kommt Fouts zu dem Schluss: Das Experiment hätte nie stattfinden dürfen.

Sophie Stigler, Lennart Pyritz | Deutschlandfunk

Washoe gehört zur Familie. Bis an ihr Lebensende feiern die Fouts Geburtstage und Weihnachten mit der Schimpansin (Deutschlandradio / Friends of Washoe)

Die Schimpansin Washoe wird oft als erstes nicht-menschliches Wesen bezeichnet, das mit einer menschlichen Sprache kommunizieren konnte. Berichte über sie sorgten ab den 1960er-Jahren für Aufsehen. Zwar hatte es Versuche, Schimpansen das Sprechen beizubringen, bereits in den Jahrzehnten zuvor in den USA gegeben. Der Erfolg war dabei allerdings sehr begrenzt geblieben, was auch mit anatomischen Unterschieden im Vokaltrakt von Mensch und Menschenaffen begründet wurde. Beim Verhaltensexperiment mit Washoe setzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der University of Nevada in Reno deshalb auf einen anderen Kommunikationskanal: Gebärdensprache.

Washoe, die als Jungtier in Westafrika gefangen und in die USA gebracht worden war, verbrachte die ersten Jahren ihres Lebens wie ein menschliches Kind. Bei allen Tätigkeiten – wickeln, ankleiden, essen, vorlesen oder spielen – verwendeten ihre Betreuer ausschließlich Gebärden. Den damaligen Berichten zufolge lernte Washoe so mit der Zeit Hunderte Zeichen und kombinierte diese auch spontan zu neuen Ausdrücken, zum Beispiel „Wasser, Vogel“ für „Schwan“ oder „öffnen, essen, trinken“ für „Kühlschrank“.

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