Taliban wollen vor UN-Vollversammlung sprechen


Präsident Ghani sei abgesetzt, argumentieren die neuen Machthaber in Afghanistan. Ihre Anfrage wirft nun die Frage auf, ob die Staaten weltweit die radikalislamische Regierung für legitim halten.

Süddeutsche Zeitung

Auch die Taliban wollen vor der Generalversammlung der Vereinten Nation in New York sprechen. (Foto: EaEduardo Munoz/AP)

Nach der Machtübernahme in Afghanistan wollen die militant-islamischen Taliban das Land auch bei den Vereinten Nationen vertreten. In einem Brief an UN-Generalsekretär António Guterres, der der Deutschen Presse-Agentur in Teilen vorlag, erbittet Taliban-Außenminister Amir Chan Motaki das Recht, bei der laufenden 76. Generaldebatte der UN-Vollversammlung zu sprechen.

Das Schreiben wurde nach Angaben der Vereinten Nationen vom Außenministerium des „Islamischen Emirats von Afghanistan“ an das UN-Hauptquartier in New York geschickt. In dem Brief argumentieren die Taliban mit den faktischen Machtverhältnissen: „Mohammad Ashraf Ghani wurde abgesetzt und (Länder auf der ganzen Welt) erkennen ihn nicht mehr als Präsidenten an“, heißt es darin. Tatsächlich sind die Islamisten nach ihrem fulminanten Siegeszug angesichts des desaströsen Truppenabzugs der Nato-Staaten de facto die Herrscher des Landes. Deutschland, die USA und andere Länder sehen die Taliban nach dem Kollaps der afghanischen Armee und Ghanis Flucht als Ansprechpartner und Machthaber. Sie erkennen sie aber nicht als legitime Regierung an.

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