Vor zehn Jahren: Missverständnisse beim Papstbesuch in Deutschland


Die dritte Deutschlandreise des deutschen Papstes Benedikt XVI. im September 2011 war seine schwierigste. Anders als in Köln 2005 und in Bayern 2006 gaben ihm weder jubelnde Jugendlichen noch die weißblaue Heimatkulisse Rückenwind.

Ludwig Ring-Eifel | katholisch.de

Als Benedikt XVI. am 22. September 2011 zum dritten Mal nach Deutschland kam, ahnten weder er noch seine Gastgeber, dass dies für lange Zeit und bis heute die letzte Reise eines Papstes nach Deutschland werden sollte. Im Jahr danach reifte in dem glücklos agierenden Pontifex der Entschluss heran, das Papstamt niederzulegen. Ob die letzte Deutschlandreise mit ihrer sehr durchwachsenen Bilanz diesen Entschluss mit befördert hat, wird wohl einmal Gegenstand der Spekulation für Kirchenhistoriker werden. Fest steht, dass es ihm damals nicht gelang, einer nach der Williamson-Affäre (2009) und der ersten Welle des Missbrauchsskandals (2010) bereits angeschlagene katholische Kirche in Deutschland zu einen und zu stärken.

Schon der Auftakt der viertägigen Reise in Berlin war geprägt von Polemiken und Missverständnissen. Sinnbildlich war der Moment, als der 84-Jährige zu seiner Rede im Deutschen Bundestag zunächst am Rednerpult, das er als solches nicht erkannte, vorbeilief und vom Parlamentspräsidenten persönlich dorthin geleitet werden musste. Das Bild vermittelte den Eindruck: Der Papst bewegte sich unsicher in einem Raum, dessen Gegebenheiten er nicht kannte und dessen Bewohnern er dennoch wichtige Ideen für ihr Leben und ihr Handeln mitteilen wollte.

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