Baerbock: Ohne kirchliche Arbeit wäre die Gesellschaft aufgeschmissen


Sie ist gerne Kirchenmitglied, sagt Annalena Baerbock – obwohl sie sich selbst nicht als gläubig beschreibt. Im Interview spricht die Kanzlerkanditatin der Grünen über Suizidbeihilfe, Organspende und darüber, warum die Kirchen wichtige Partner sind.

Birgit Wilke | katholisch.de

Die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, sieht die Kirchen – auch mit Blick auf die Bekämpfung des Klimawandels – als wichtige Partner. Schon seit Jahren machten diese auf die weltweiten Auswirkungen aufmerksam, sagt sie im Interview. Zudem erzählt die Protestantin, die sich selbst als nicht sehr gläubig bezeichnet, was sie weiter in der Kirche hält.

Frage: Frau Baerbock, mit Blick auf den Anspruch, die Schöpfung zu bewahren, sind die Kirchen doch eigentlich ideale Partner für die Grünen. Erwarten Sie vor diesem Hintergrund mehr von den Kirchen in Sachen Engagement gegen die Klimakrise?

Baerbock: Der Erhalt der Lebensgrundlagen und die Bewahrung der Schöpfung gehen einher. Die Kirchen machen schon seit Jahren auf die Folgen der Klimakrise aufmerksam. Sie machen auch immer wieder deutlich, dass wir uns nicht damit begnügen können, hier vor unserer eigenen Haustür zu kehren, sondern die weltweiten Auswirkungen im Blick haben müssen. Klimagerechtigkeit und Klimaschutz sind globale Fragen, das kommt in politischen Debatten leider oft viel zu kurz.

Frage: Bei der Hilfe für Geflüchtete ziehen Grüne und Kirchen mit ihren Argumenten für eine humane Flüchtlingspolitik oft an einem Strang. Erhoffen Sie sich von den Kirchen auch Schützenhilfe, wenn es um die Aufnahme von afghanischen Flüchtlingen geht?

Baerbock: Für die Kirchen ist das Gebot der Nächstenliebe eine Selbstverständlichkeit. Ich würde mir wünschen, dass dies auch für die großen Parteien in unserem Land gilt. Schade, dass manche, insbesondere Parteien, die „christlich“ in ihrem Namen tragen, die christliche Nächstenliebe vor allem in Sonntagsreden hochleben lassen und bei der Situation an den Außengrenzen Europas allzu gerne die Augen verschließen, während Caritas und Diakonie vor Ort helfen.

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