Ein Freispruch Woelkis – aber mit Auflagen


Papst Franziskus ist von der Unschuld Kardinal Woelkis überzeugt: Keinen der Vorwürfe gegen ihn lässt er letztlich gelten. Doch das heißt nicht, dass nach der Auszeit des Erzbischofs alles in Ordnung ist. Erst muss der Kardinal noch den großen Auftrag des Papstes erfüllen. Eine Analyse der Beschlüsse zu Köln.

Felix Neumann | katholisch.de

Von einer „episkopalen Amtsgarantie“ sprach der Salzburger Fundamentaltheologe Gregor Maria Hoff in einem Kommentar zum Umgang von Papst Franziskus mit Rücktritten. Mit Blick auf die Weltkirche stimmt das nur zum Teil: Einige Bischöfe mussten im Zuge der Missbrauchsaufarbeitung ihren Bischofsstuhl räumen. Mit Blick auf die Situation in Deutschland sieht das anders aus: Der Rücktritt von Kardinal Reinhard Marx – ohne konkret nachgewiesene Verfehlungen, die Aufarbeitung im Erzbistum München und Freising und seiner vorigen Diözese Trier stehen noch aus – wurde abgelehnt, mit einem lobenden Papstbrief. Das Gesuch des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße, das dieser nach Vorstellung des Kölner Missbrauchsgutachtens sofort eingereicht hatte: abgelehnt, mit einem mahnenden, aber wertschätzenden Brief. Beide Schreiben danken für die Demut der Bischöfe. Wer sich erniedrigt, wird von Papst Franziskus erhöht.

Und nun also auch Kardinal Rainer Maria Woelki, der zwar jüngst zu Protokoll gab, über Rücktritt nachgedacht zu haben, diesen aber stets mit Verweis auf seine Bitte an den Papst um Klärung der Situation zurückgewiesen hatte. Auch die beiden Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp und Ansgar Puff bleiben im Amt, der erste mit abgelehntem Rücktrittsgesuch, der zweite nach einer zeitweisen Entpflichtung ohne Rücktritt. Bis zuletzt war es offen, welche Schlüsse der Papst aus den Ergebnissen der von ihm angeordneten Visitation ziehen würde. Die beiden päpstlichen Kontrolleure aus Rotterdam und Stockholm waren zwar nur kurz im Erzbistum: Angesichts der bekannt gewordenen Gesprächspartner dürften sie aber einen guten Einblick über die offenkundige Zerrissenheit der Erzdiözese erhalten haben. Die Mitteilung des Heiligen Stuhls zur Entscheidung des Papstes spricht von einer „Vertrauenskrise“, die „viele Gläubige verstört“ habe.

Kein Fehlverhalten bei Kardinal Woelki

Das von Woelki beauftragte Gutachten der Kanzlei Gercke und Wollschläger hatte ihm zwar kein nachweisbares Fehlverhalten attestiert. Mit Amtsantritt Woelkis hatte sich ausweislich des Gutachtens zwar einiges zum Besseren gewendet, anscheinend gab es tatsächlich mit ihm als Erzbischof einen größeren Stellenwert für Opfer- statt Täterschutz. Das würdigt auch der Papst ausdrücklich: „Die Entschlossenheit des Erzbischofs, die Verbrechen des Missbrauchs in der Kirche aufzuarbeiten, sich den Betroffenen zuzuwenden und Prävention zu fördern, zeigt sich nicht zuletzt in der Umsetzung der Empfehlungen der zweiten Studie, mit der er bereits begonnen hat“, heißt es in der Mitteilung des Heiligen Stuhls.

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