Was den Wahlkampf im Osten prägt


In den strukturschwachen Regionen Ostdeutschlands holte die AfD bei der Bundestagswahl 2017 ihre besten Ergebnisse. Der Schock wirkte bis nach Berlin. Was hat sich seitdem geändert?

Thomas Vorreyer | tagesschau

Bitterfeld gilt als eine der Hochburgen der AfD in Sachsen-Anhalt. dpa

Montag, 17.28 Uhr, Berlin Hauptbahnhof: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Sepp Müller steigt in den ICE. Vormittags hat er SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz im Finanzausschuss zu den Geldwäsche-Ermittlungen befragt. Jetzt will Müller zur Sitzung seines Kreisverbandes. Nächster Halt: Lutherstadt Wittenberg, Sachsen-Anhalt. 40 Minuten Fahrzeit. Nochmal 30 Minuten und man wäre in Leipzig. „Zentral inmitten von Zentren“, so sieht sich Wittenberg selbst. „Vorort von Berlin“, sagt Müller. Ginge es nach ihm, könnte das Mietenproblem der Hauptstadt noch eine Weile laufen. Wittenberg profitiert seit Jahren vom Zuzug.

Ein Teil des ländlichen Raums schöpft als Berliner Vorort neue Hoffnung. Der Leerstand gehe extrem nach unten, Baugrund sei knapp geworden, freut sich Müller. Die jungen Menschen würden das schwächelnde Vereins- und Kulturleben wiederbeleben. Lange sah es nicht danach aus. Müller ist ein paar Kilometer weiter in Gräfenhainichen aufgewachsen. Der Kohletagebau dort wurde 1991 geschlossen. 15.000 Beschäftige verloren ihren Job, die Stadt schließlich fast die Hälfte ihrer Einwohner.

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