Polnisch-belarusische Grenze: „Sie warten, bis hier jemand stirbt“

Bild von kalhh auf Pixabay

Im Niemandsland zwischen Polen und Belarus sitzen noch immer Menschen fest. Während sie Angst haben, vor Hunger und Kälte zu sterben, erhöhen die Staaten auf beiden Seiten der Grenze den Druck.

Olaf Bock, Bamdad Esmaili | tagesschau

Polnische Soldaten stehen an der Grenze zu Belarus, im Niemandsland dahinter hängen Flüchtlinge fest. REUTERS

Die seit 50 Tagen an der Grenze zwischen Belarus und Polen festsitzende Gruppe gerät zunehmend in Verzweiflung: Die polnische Seite lässt die 32 Menschen auf Afghanistan nicht rein, die belarusische nicht zurück. Am Telefon berichtet ein Mann namens Masoud, dass er und die anderen mittlerweile von einem Stacheldrahtzaun umringt seien und sich nicht mehr bewegen könnten.

Bei den Temperaturen im einstelligen Bereich seien sie seit Tagen im Dauerregen der Kälte ausgesetzt. Die Zelte seien nass, alle seien krank. Zudem bekämen sie kaum etwas zu essen, berichtet Masoud mit zittriger Stimme. Das letzte Mal habe ihnen das Rote Kreuz vor etwa acht Tagen etwas zu essen gegeben.

Die belarussischen Soldaten gäben ihnen täglich etwas von ihrem Essen ab, das sie mit den 32 Personen teilen müssen. „Keiner sagt uns wie es weitergeht. Ich glaube, sie warten, bis hier jemand stirbt. Dann geht es weiter“, befürchtet er. „Wenn sich hier nichts tut, dann werden in den nächsten drei Tagen Menschen vor Hunger und Kälte sterben.“ Vergangenen Sonntag waren bereits vier Menschen an der Grenze tot aufgefunden worden – vermutlich sind sie an den Folgen von Unterkühlung gestorben. Am Freitag wurde ein weiterer Todesfall gemeldet.

weiterlesen