Fundis ohne Plan


Am vergangen Samstag versammelten sich in Berlin Anhängerinnen und Anhänger der sogenannten Lebensschutzbewegung wieder zum jährlichen »Marsch für das Leben«. Die Bundesvorsitzende des veranstaltenden Bundesverband Lebensrecht (BVL), Alexandra Maria Linder, begrüßt die Teilnehmenden am Platz des 18.März gewohnt schwunglos, jedoch mit Dringlichkeit.

Lina Dahm | jungle world

Abtreibungsgegner versuchen ungelenk, sich die Slogans der Pro-Choice-Bewegung anzueignen. Berlin, 19. September 2021 Bild: Lina Dahm

Die Bewegung werde »sehr genau beobachtet, nicht nur wer kommt und wie viele, sondern auch, was wir sagen und fordern«, raunt sie. Die Veranstaltenden legen viel Wert darauf, nicht als fundamentalistische Christinnen und Christen zu erscheinen, die Freiheitsrechte und Gesundheitsfürsorge einschränken wollen.

Das BVL-Vorstandsmitglied Hartmut Steeb machte sich über die Maskenpflicht lustig und sprach mehrfach von »im Mutter­leib liquidierten Menschen«.

Das erstmalig entsandte Grußwort des Bundesvorstandes der AfD findet demzufolge weder auf der Website des BVL noch während der Auftaktkundgebung des Marsches Erwähnung. Die Partei stellt sich darin als die einzige dar, die sich »für die Rechte ungeborener Kinder stark« mache, und ruft »alle überzeugten Lebensschützer und alle Familien« auf, sie zu wählen. Anders als im Vorjahr nahm die stellvertretende Bundesvorsitzende der Partei, Bea­trix von Storch, nicht an der Veranstaltung teil.

Bei der Frage nach der Zahl der bundesweit anreisenden Teilnehmenden sah sich der BVL vor der Covid-19-Pandemie wahrheitswidrig bereits an der Zehntausender-Grenze angelangt. Nach der Veranstaltung am Samstag wird der Verein 4500 teilnehmende »Lebensschützer« vermelden, eine Schätzung der Berliner Polizei wird deren Zahl »im unteren mittleren vierstelligen Bereich« sehen. Journalistinnen, die die Bewegung seit Jahren beobachten, gehen von etwa 2200 Teilnehmenden aus, etwas weniger als im Vorjahr. Einige »Querdenker« und Impfgegnerinnen mischen sich unter die Abtreibungsgegner. Zuvor wurde in deren Telegram-Gruppen auf die angemeldete Kundgebung hingewiesen, um mögliche Polizeisperren zu umgehen.

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