Täter-Opfer-Umkehr bei Corona-Leugnern


Weltverschwörungsgläubige fühlen sich als Opfer eines nicht legitimierten Staates, der liberalen Demokratie, dunkler Mächte von Bill Gates bis zu George Soros

Hans Rauscher | DERSTANDARD

Der Mann, der im deutschen Idar-Oberstein an einer Tankstelle einen Werkstudenten erschossen hat, weil er ihn auf die Maskenpflicht aufmerksam gemacht hatte, war tief drinnen in der rechtsextremen Gedankenwelt. Gleichzeitig lebte er in einer Wahnwelt der Täter-Opfer-Umkehr, in der er sich berechtigt fühlte, sich gegen dunkle Mächte, eine „Corona-Diktatur“ gewaltsam zu wehren. Er habe sich „in die Ecke gedrängt“ gefühlt und habe mit der Tötung des Studenten „ein Zeichen setzen wollen“, sagte er der Polizei.

Diese Täter-Opfer-Umkehr haben schon die Nazis betrieben. Sie stilisierten sich als Opfer zugleich der Demokratie, die sie nur als „System“ und „Systemparteien“ bezeichneten, und der Juden, ja des „Weltjudentums“ überhaupt. Das war natürlich einerseits eine monströse Lüge, andererseits ein Hirngespinst, von dem viele der führenden Nazis bis hinauf zu Hitler völlig überzeugt waren. Aus diesem Opfermythos heraus bezogen sie die „Legitimation“, gegen die eingebildeten „Feinde“ als Täter aufzutreten, auf die furchtbarste Weise der Weltgeschichte.

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