Wie österreichische Medien in den deutschen Wahlkampf eingreifen


Der deutsche Wahlkampf wird nicht nur von politischem Streit im Inland bestimmt. Akteure aus dem Ausland versuchen den Prozess zu stören. Ein Netzwerk von Online-Medien streut Desinformation und Hass. Die Spur führt nach Österreich, in die rechte Szene und zur FPÖ.

Tania Röttger , Alice Echtermann , Till Eckert | CORRECTIV

Annalena Baerbock und Deutschland im Visier österreichischer Medien. Mit Desinformation zu vielen Klicks und politischer Einflussnahme? (Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV)
Diese Recherche entstand in Kooperation mit Undone (Khesrau Behroz, Patrick Stegemann, Sören Musyal, Tasnim Rödder) und ist auch als Folge im „Noise“-Podcast erschienen: anhören bei Apple, Spotify, Amazon, Google oder Deezer.

„Medien24 GmbH – Bürozeiten von 8:30 bis 12:30“ steht auf dem Klingelschild. Das langgestreckte Haus ist in einem Neubaugebiet, Weingartshofstraße, fünf Minuten zu Fuß vom Hauptbahnhof in Linz entfernt. Hinter der Medien24 GmbH verbirgt sich der Wochenblick, ein österreichisches Online-Medium. Wir sind überrascht, es hier zu finden. Denn es sollte laut Impressum seinen Sitz eigentlich im 80 Kilometer entfernten Brunnenthal haben. 

Irreführend ist nicht nur die Adresse: Der Wochenblick veröffentlicht seit Jahren Falschmeldungen, in letzter Zeit vor allem über die Corona-Pandemie. Seit Anfang 2021 mischt er sich außerdem in den deutschen Wahlkampf ein. Auf der Webseite erscheinen reißerische bis hetzende Artikel über die Grünen und deren Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, Annalena Baerbock. 

Am 11. Mai schreibt der Wochenblick etwa: „Plagiatsjäger lässt aufhorchen: Ist Uni-Abschluss von Grünen-Chefin erfunden?“ Das wird der zweit-erfolgreichste Artikel des Wochenblicks in diesem Jahr, fast 7.000 Mal wird er auf Facebook geteilt. Einen Großteil ihrer Reichweite erzielt die österreichische Seite dabei in Deutschland, zum Beispiel durch AfD-Fanseiten auf Facebook. Und sie ist damit nicht die einzige. 

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