Forscherteam bestätigt: Religionen sind „Opium“ für arme Menschen


Internationale Studie: Gottesglaube kann psychische Belastungen durch materielle Unzufriedenheit abmildern

Bernd Müller | TELEPOLIS

Weihrauch oder Opium? Die Wirkung könnte tatsächlich vergleichbar sein. Foto: Free-Photos auf Pixabay (Public Domain)

Die Religion sei das Opium des Volkes, schrieb Karl Marx im Jahre 1844. Er meinte damals, Religionen würden notleidende Menschen nur betäuben und auf bessere Verhältnisse im Jenseits vertrösten. Gleichzeitig hinderten sie die Menschen, gegen die ungerechte Strukturen zu kämpfen, unter denen sie leiden.

In gewisser Weise bestätigte nun ein internationales Forschungsteam diese Aussage. Das Ergebnis ihrer Untersuchung: Ärmere Menschen sind immer in einem geringeren Maß zufrieden als ihre reicheren Mitbürger. Aber Gottglauben kann die psychischen Belastungen abfedern, die durch Armut verursacht werden. Er kann sie sogar wettmachen. Die Studie legt außerdem nahe, dass geringe Einkommen desto gravierende Effekte auf das Wohlbefinden haben können, je weiter die Säkularisierung fortgeschritten ist.

Die Studie wurde von Jochen Gebauer und Jana Berkessel von geleitet. Gebauer lehrt unter anderem an der Universität Mannheim. Sie untersuchten den Zusammenhang zwischen sozialer Klasse, psychischem Wohlbefinden und Religiosität. Damit füllten sie nach eigenen Angaben eine Forschungslücke.

Wohlstand reduziert Bedarf an religiösen Heilsversprechen

Seit Jahrzehnten geht die sozialwissenschaftliche Forschung nämlich davon aus, dass sich niedrige Einkommen negativ auf das psychische Wohlbefinden auswirken. Allerdings nahm man an, dieser Effekt werde schwächer, wenn sich Länder wirtschaftlich weiterentwickeln. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Gründe dafür waren bisher aber unklar. Für das Forscherteam war deshalb von Interesse, welchen Rolle die Religiosität dabei spielt. Denn in wirtschaftsstarken Ländern sind die Menschen im Durchschnitt weniger religiös als in ärmeren Ländern.

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