Philosophin Donatella Di Cesare: Alle sind zu Gast auf der Welt

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Es gibt keinen Flecken fester Erde, auf den nicht irgendein Staat Anspruch erhebt. Doch das Phänomen der Migration erschüttert diese Weltordnung fundamental. Donatella Di Cesare entwickelt aus dieser Erkenntnis eine Philosophie, in deren Mitte eine uralte menschenfreundliche Tugend steht: Gastfreundschaft.

Thomas Palzer | Deutschlandfunk

Donatella Di Cesare fordert in ihrer Philosophie der Migration eine Politik der Gastfreundschaft (Foto: privat, Buchcover: Verlag Matthes & Seitz Berlin)

Wer einen Personalausweis oder Reisepass besitzt, verfügt über einen Status: Das Dokument bezeugt die Zugehörigkeit der Person zu einem Staat. Wer keinen Ausweis hat, ermangelt der Staatszugehörigkeit – und besitzt deshalb auch keine Identifizierbarkeit, keine Identität. Er ist vogelfrei. Vogelfreiheit bedeutet Rechtlosigkeit. Der rechtlose Mensch ist der homo sacer, das heißt, der auf sein nacktes, biologisches Leben zurückgeworfene Mensch.

Displaced Persons

Wer zu den Unglücklichen gehört, die über keine Staatsbürgerschaft verfügen, also über kein Dokument wie den Reisepass, dem droht das Auffang-, Flüchtlings- oder Abschiebelager als materieller Ausdruck planetarischen Exils. Mit dieser Politik der Exkommunikation wird im gleichen Zug Staatsbürgerschaft als quasi-natürliche Eigenschaft sanktioniert, denn es soll kein Leben ohne eine solche geben. So will es der Staat als globaler politischer Akteur.

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