Kirche blickt auf AfD als stärkste Kraft in Sachsen und Thüringen


Die AfD hat im Osten Deutschlands hohe Stimmenanteile eingefahren. Die Kirchen haben sich im Wahlkampf klar gegen Parteien gestellt, deren Positionen nicht mit ihren vereinbar sind. Wie reagiert die Kirche nun auf das Ergebnis?

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Die AfD ist jetzt in Thüringen zum ersten Mal stärkste Kraft, in Sachsen war sie das schon vor vier Jahren. Hat Sie diese Nachricht überrascht?

Dr. Thomas Arnold (Direktor der katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen): Die ersten Prognosen hatten schon angedeutet, dass die AfD wieder als stärkste Kraft durchs Ziel gehen wird. Damals hieß es noch 30 Prozent, jetzt liegt sie bei 24 Prozent in Sachsen. Das sind natürlich 24 Prozent zuviel. Das sage ich auch als Christ. Aber es sind auch drei Prozent weniger als vor vier Jahren.

Insofern muss man schon sagen: Die AfD hat sich erst mal verschlechtert. Aber man muss eben auch sehen, dass die CDU in Sachsen deutlich abgerutscht ist und nicht nur knapp Zweite geworden ist wie vor vier Jahren, sondern eben jetzt deutlich unter 20 Prozent liegt. In manchen Wahlkreisen hat sie Platz zwei, in anderen Platz drei eingenommen.

Damit zeigt sich auch, dass der große Verlierer dieser Wahl in Sachsen auch die sächsische Union ist. Mit Blick auf das Parteiengefüge und auf eine in Teilen rechtsextreme Partei ist das schade. Das hätte ich mir anders gewünscht.

DOMRADIO.DE: Besonders punkten konnte ja die AfD jetzt auch mit ihren Direktmandaten. In Sachsen hat sie neun von 16 Direktmandaten geholt, also die Mehrheit. Wie ist das zu erklären? Sind das so charismatische, professionelle Menschen, die da für die AfD antreten?

Arnold: Wenn Sie in den letzten Wochen durch Sachsen gefahren sind, dann konnten Sie beobachten, dass kaum Kandidaten plakatiert wurden und Kandidaten zu sehen waren. Aber die AfD hat plakatiert und vor allem die Zweitstimmen für sich geholt. Natürlich hat sie auch viele Erststimmen geholt, aber da gibt es vor allem eine hohe Wählerwanderung weg von den CDU-Kandidaten, die bisher ihre Mandate geholt hatten.

Die AfD-Kandidaten haben die Mandate geholt, weil sie am Ende doch relativ stabil geblieben sind. Was mir Sorge macht, sind zwei Dinge. Erstens, dass diese AfD-Wählerschaft relativ stabil bleibt. Es ist kein radikaler Verlust mit 3 Prozent weniger Wählerzustimmung. Das Zweite ist, dass wir ein großes Stadt-Land-Gefälle haben. Dass die AfD „nur“ 24 Prozent erreicht hat, liegt auch daran, dass die Städte das Ergebnis nach unten gezogen haben. Die wurden zuletzt ausgezählt. Es gibt aber auch Landesteile, die deutlich blauer geworden sind.

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