Apostel Voderholzer: «Vielleicht müssen wir von der Kirchensteuer befreit werden»


Rudolf Voderholzer kritisiert den Synodalen Weg. Hoffnungen auf ein Priesteramt für Frauen erteilt er eine Absage, homosexuelle Partnerschaften findet er moralisch fragwürdig. Und er behauptet, niemand habe in Deutschland so viel für Prävention und Aufarbeitung sexueller Missbrauchsfälle getan wie die katholische Kirche.

Hannah Bethke, Alexander Kissler | Neue Zürcher Zeitung

Herr Bischof Voderholzer, die katholische Kirche in Deutschland beschreitet einen Synodalen Weg: Weshalb eigentlich und mit welchem Ziel?

Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich auf ihrer Frühjahrsvollversammlung im März 2019 auf dieses Format geeinigt, um mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken über Folgen aus der Missbrauchskrise zu beraten. Der Synodale Weg hat allerdings keine Beschlusskraft, er ist gewissermassen ein kirchenrechtliches «Nullum».

Der Synodale Weg ist also ein unverbindliches Gesprächsformat, aber kein Reformprozess?

Er ist, was das Kirchenrecht betrifft, unverbindlich. Ich halte ihn allerdings nicht für unverbindlich. Das wird mir auch von denen attestiert, die meine Positionen nicht teilen. Das Problem ist, dass dieser Prozess mit zu vielen und viel zu hohen Erwartungen überfrachtet ist. Ich werde mich weiterhin einbringen und, falls nötig, unbequem bleiben.

Folgt man den Reformern, ist eine Debatte über die Zukunft der Kirche nötig, weil die kirchlichen Machtstrukturen sexuellen Missbrauch begünstigen. Können Sie diese Sichtweise nachvollziehen?

Nur sehr begrenzt. Ich stelle im Gegenteil fest, dass die von alten zölibatären Männern geleitete Kirche es bei der Prävention, der Aufklärung und Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs von allen Institutionen am weitesten gebracht hat. Es gibt in Deutschland synodal organisierte kirchliche Gemeinschaften, die sich da wesentlich schwerer tun.

weiterlesen

1 Comment

Kommentare sind geschlossen.