Fake-News über russischen Corona-Impfstoff in Focus, BZ und Merkur

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Von deutschen Zeitungen kritiklos übernommene britische Falschmeldungen über den russischen Impfstoff Sputnik V wurden im Urheberland bereits widerrufen

Roland Bathon | TELEPOLIS

Bei der Entwicklung von Sputnik V spielten Viren von Schimpansen keine Rolle. Anders als bei AstraZeneca. Foto: Peter Fischer auf Pixabay (Public Domain)

Russische Hacker und Spione sind ein beliebtes Thema in der westlichen Presse, nicht nur in Boulevardmedien. So fand auch ein Artikel des britischen Bild-Pendants The Sun vom Wochenende großen Widerhall: Der russische Anti-Covid-Impfstoff Sputnik V sei nur eine Kopie der britisch-schwedischen Entwicklung von AstraZeneca, hieß es. Hacker im Dienste Russland hätten die Forschungsergebnisse gestohlen, schwadronierte dort ein „Experte“ in Gestalt eines konservativen britischen Parlamentsabgeordneten. Man müsse sich ernsthafter mit russischer und chinesischer Spionage beschäftigen. Als Beleg führte die Zeitung mutmaßlich gleichartige Grundlagen beider Impfstoffe an.

Die willkommene Geschichte wurde sogleich nicht nur von anderen britischen Medien, sondern auch von deutschen wie der BZ, dem Münchner Merkur und dem Nachrichtenmagazin Focus übernommen. Diese garnierten zum passenden Feindbildaufbau die Meldung mit weiteren Details.

So zitierte die BZ auch den britischen Abgeordneten Andrew Bridgen mit der Aussage, dass Großbritannien die besten Forscher, Russland jedoch die besten Spione habe. Der Merkur sprach von Informationen aus in diesem Zusammenhang gerne bemühten Geheimdienstkreisen, man sei sich „zu mehr als 95 Prozent“ sicher, dass russische Hacker Impfstoff-Entwickler in Großbritannien, den USA und Kanada angegriffen hätten.

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