Staatsanwalt: Kirchen sollen alle Missbrauchsfälle melden


Der Osnabrücker Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer rät den Kirchen dringend, auch lange zurückliegende Missbrauchsfälle ausnahmslos bei der zuständigen Staatsanwaltschaft zu melden, solange die Täter noch leben. „Es ist dem juristischen Laien gerade im Sexualstrafrecht nicht zugänglich, Verjährungsfristen auszurechnen“, sagte Retemeyer am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

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Der Gesetzgeber ändere die Verjährungsvorschriften permanent. Zudem sei entscheidend, wie ein Sexualdelikt einzuordnen sei. Eine Vergewaltigung werde anders beurteilt als eine sexuelle Belästigung. Zudem könnten weitere Fälle zum Vorschein kommen. „Deshalb wollen wir immer alle Fälle auf dem Tisch haben.“

Hintergrund ist der am Montag bekannt gemachte Missbrauchsfall einer Frau, die der hannoverschen Landeskirche Vertuschung vorwirft. Sie war nach eigener Aussage in den 1970er Jahren als Elfjährige von einem Diakon einer evangelischen Gemeinde in Oesede bei Osnabrück missbraucht und vergewaltigt worden. 2010 hatte sie sich erstmals an die Kirche gewandt.

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