Zu allem fähig


Psychische Störungen können in seltenen Fällen zu Gewalttaten beitragen. Doch die wenigsten Terroristen sind wahnsinnig.

Christian Weber | Süddeutsche Zeitung

„Kontakt mit dem Gesundheitsdienst“: Der Attentäter von Kongsberg wird psychiatrisch untersucht – ein mutmaßlich von ihm verschossener Pfeil in einer Hauswand. (Foto: Håkon Mosvold Larsen/AP)

Urteile und Schlussfolgerungen sind oft genauso schnell gemacht wie leichtfertig: Da tötet jemand unter anderem mit Pfeil und Bogen fünf Menschen, einfach so, auf der Straße, das kann nur ein Wahnsinniger tun. Doch so klar liegt die Sache häufig nicht, das weiß man von anderen Anschlägen.

„Die Psychiatrisierung des Terrorismus bagatellisiert ihn, weil sie ihn auf die individuelle Pathologie reduziert“, sagte die forensische Psychiaterin Nahlah Saimeh nach dem Massaker von Paris dieser Zeitung. „Bislang ist keine für Terroristen hochspezifische Persönlichkeitsstörung gefunden worden.“ Der Verdacht, dass nur Wahnsinnige so morden könnten, hänge auch damit zusammen, dass über Jahrzehnte hinweg in weiten Teilen Europas ziemlich friedliche Zeiten herrschten. Doch man sollte nur an die Zeit des Nationalsozialismus denken, als offenbar ganz normale Familienväter systematisch mordeten. Menschen waren schon immer fähig und bereit zu töten.

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