Afghanistan: Brutalstmögliche Unfähigkeit


Sie behaupten, „Ordnung zu schaffen“. Tatsächlich stürzen die Taliban das geschundene Land jedoch täglich tiefer ins Chaos.

Thomas Ruttig | taz

Ein Familienvater in Kabul versucht, ein paar Habseligkeiten zu verkaufen Foto: Joerg Silva/reuters

Zwei Monate nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan ächzt die Bevölkerung unter der neuen Herrschaft. „Die Sicherheit ist jetzt besser, der Krieg ist vorbei“ – immerhin hätten die Taliban die verminten Straßen freigeräumt, meinte etwa der Vorstand einer Tadschiken-Gemeinde aus der Provinz Logar südlich von Kabul gegenüber der taz. „Aber dafür gibt es viele neue Probleme. Die Märkte sind offen, doch es fehlt an Arbeit. Vorher gab es Unterstützung von Hilfsorganisationen, jetzt nicht mehr. Außerdem herrscht Dürre und wir hatten keine Ernte. Die Menschen kämpfen mit der Armut.“

De facto kontrollieren die Taliban inzwischen das gesamte Land. Der letzte bewaffnete Widerstand gegen ihre Herrschaft blieb im Pandschirtal isoliert und brach schnell zusammen, das Parlament und zivilgesellschaftliche Organisationsstrukturen haben sich im Nullkommanichts aufgelöst, und auch machtgierige Warlords, die sich gegen die Taliban in Stellung bringen wollten, entpuppten sich schnell als Kolosse auf tönernen Füßen.

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