Als der Berg Ronti plötzlich zu Tal stürzte


Eine seismische Chronik zeigt, was sich Anfang dieses Jahres tatsächlich in der nordindischen Himalaja-Region abspielte. Dort rutsche der Berg Ronti ins Tal, die Schlammmassen lösten eine verheerende Flutwelle aus.

Horst Rademacher | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Flutwelle überschwemmte das Tal des Flusses Ronti. Die Wassermassen rissen Gebäude und Menschen mit sich. Bild: AP

In Hochgebirgen kommt es immer wieder zu gewaltigen Bergstürzen, in deren Folge häufig Flutwellen durch Täler rasen und alles auf ihrem Weg zerstören. Fast immer geschehen diese Katastrophen plötzlich und ohne Vorwarnung. Die Bevölkerung in den betroffenen Tälern wird dann von solchen Flutwellen überrascht, und nicht selten kommen dabei zahlreiche Menschen ums Leben. Eine der schlimmsten Katastrophen dieser Art ereignete sich im Februar dieses Jahres im nordindischen Bundesstaat Uttarakhand, als mehr als zweihundert Menschen in einer durch mehrere Täler des Himalajas rasenden, von einem Bergsturz ausgelösten Flutwelle umkamen. Eine Gruppe deutscher und indischer Geowissenschaftler hat nun die Ereignisse akribisch nachgezeichnet und ein System ersonnen, mit dem vor solchen Katastrophen künftig rechtzeitig gewarnt werden könnte.

Die Verkettung tödlicher Ereignisse im Himalaja begann am Vormittag des 7. Februars in mehr als 5500 Meter Höhe am Hang des zum Nanda-Devi-Nationalpark gehörenden vergletscherten Ronti-Berges. Gegen 10.21 Uhr Ortszeit löste sich dort aus noch ungeklärter Ursache ein massives Gemisch, bestehend aus etwa 20 Prozent Gletschereis und 80 Prozent Felsbrocken. Es hatte ein Volumen von etwa 27 Millionen Kubikmeter und fiel mit großer Geschwindigkeit fast zwei Kilometer tief den steilen Hang herunter. Knapp eine Minute später schlug die Masse mit der Kraft einer gewaltigen Explosion im Tal des Flusses Ronti Gad auf.

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