Ein im Koma liegender Präsident mag Marillenknödel


Viele fragen sich, wie ernst es um Miloš Zeman steht. Der liegt im Krankenhaus und muss für gnadenlose politische Machtspiele herhalten.

Alexandra Mostyn | taz

Prager An­hän­ge­r*in­nen des Parteienbündnisses Spolu feiern am 9. Oktober Foto: Darko Bandic/ap

Prag habe ihm den Sieg vermasselt, schimpfte Andrej Babiš am Samstag vergangener Woche bei seiner Wahlnachlese im Fernsehen. Das verärgerte Eingeständnis des Noch-Premiers sehen die Prager als Ritterschlag für ihre Stadt. „Wir gehören in den Westen“ lautete der Wahlspruch des Dreiparteienbündnisses Spolu, ein Seitenhieb auf den Slowaken Babiš, der einen typischen Oligarchen östlicher Prägung verkörpert.

Umso mehr wurde „der Westen“ für die Prager zum Inbegriff all dessen, was Babiš nicht ist, sie dafür aber umso mehr sein wollen. Dafür waren sie bei der Wahl eifriger als der Durchschnitt: knapp über 70 Prozent – landesweit lag die Wahlbeteiligung bei 65,4 Prozent – hatten sich an die Urnen bemüht, um Andrej Babiš abzuwatschen. Knapp über 40 Prozent gaben ihre Stimme der siegreichen Spolu-Koalition, deren Vorsprung gerade mal 35.765 Stimmen betrug. Die kämen aus Prag, knurrte Babiš am Wahlabend. Die Prager freut das, haben sie dem ehemaligen Stasi-Spitzel endlich gezeigt, was sie sind: der Westen.

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