Die sächsische CDU wird Opfer der rechten Hegemonie, die sie selbst mit aufgebaut hat


Die AfD hat sich in Sachsen als stärkste politische Kraft festgesetzt. Die CDU gerät bei ­all der rechten Hegemonie, die sie selbst mit aufgebaut hat, zusehends ins Hintertreffen.

Thorsten Mense | jungle world

Die Dauer dessen, was man als eine Generation bezeichnet, wird zumeist mit einer Zeitspanne von 30 Jahren angegeben. Vor etwas mehr als 30 Jahren, im September 1991, tobte sich der wiedervereinte deutsche Volkszorn tagelang im sächsischen Hoyerswerda aus und leitete die Welle rassistischer Pogrome ein, die mit den sogenannten Baseballschlägerjahren Anfang der neunziger Jahre einhergingen. Der Staat kapitulierte vor dem Mob aus Nazis und »besorgten Bürgern« und evakuierte die angegriffenen Geflüchteten und vormaligen DDR-Vertragsarbeiterinnen aus der Stadt. Diese Ereignisse prägten die »Generation Hoyerswerda«, die bis heute daraus ihr Selbstbewusstsein zieht und bei den Protesten gegen Geflüchtete ab 2015 ein kleines Revival erlebte. Die AfD spricht erfolgreich diese nationalistische ostdeutsche Identität an, und so werden die mittlerweile in die Jahre gekommenen Rassistinnen und Rassisten ihren Teil dazu beigetragen haben, dass die Partei im Freistaat Sachsen zum zweiten Mal in Folge aus einer Bundestagswahl als Siegerin hervorging: 24,6 Prozent der Zweitstimmen erhielt die AfD, mehr als doppelt so viel wie im bundesweiten Ergebnis.

»Die Schläger von damals sind nicht verschwunden. Sie sind heute Familienväter, Unternehmer für die rechte Bewegung oder AfD-Wähler«, schrieb David Begrich vom Verein Miteinander in der Taz zum 30. Jahrestag des Pogroms von Hoyerswerda. Betrachtet man die Zweitstimmenergebnisse, ist die politische Landkarte Sachsens nun fast komplett blau, bis auf vier kleine bunte Schmutzflecken in Leipzig, Chemnitz und einem Wahlkreis in Dresden. Trotz geringer Verluste konnte die AfD ihren Vorsprung vor der CDU deutlich ausbauen, die fast zehn Prozentpunkte verlor und nur noch auf 17,2 Prozent der Zweitstimmen kam.

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