„Jüdische Taliban“: Auf dem Weg zum Erzfeind


Die ultra-orthodoxe jüdische Sekte Lev Tahor sucht offenbar Asyl in Iran. In Israel weckt das die größten Sorgen.

Peter Münch | Süddeutsche Zeitung

Bei Lev Tahor müssen sich Frauen von Kopf bis Fuß in schwarze Roben hüllen. Das hat der Sekte den Beinamen „jüdische Taliban“ eingebracht. (Foto: imago stock&people/ZUMA Press)

„Lev Tahor“ bedeutet übersetzt aus dem Hebräischen „reines Herz“. In aller Unschuld, so verheißt es der Name dieser ultra-orthodoxen jüdischen Sekte, sollen die Mitglieder ein gottgefälliges Leben führen. Doch wo immer sie auftauchten in den vergangenen drei Jahrzehnten, folgten schnell schwere Vorwürfe von der Gehirnwäsche über Kindesmisshandlung bis hin zur Entführung. Die ursprünglich aus Israel stammende Gruppierung mit geschätzt 250 Mitgliedern wechselte deshalb oft ihre Stützpunkte, zog von den USA nach Kanada nach Guatemala. Nun plant sie offenbar einen neuen Umzug: nach Iran. Ausgerechnet.

Die Pläne zur Ansiedlung beim israelischen Erzfeind sind die neueste Volte in einer Sekten-Saga, die seit vielen Jahren immer neue Schlagzeilen hervorbringt. Gegründet wurde Lev Tahor in den Achtzigern von einem jungen Rabbi namens Shlomo Helbrans. Er selbst stammte aus einer säkularen Jerusalemer Familie und predigte neben einer frommen Lebensart auch den jüdischen Anti-Zionismus, demzufolge die Gründung des Staates Israel 1948 eine Sünde vor Gott bedeutet.

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