Ex-Israel-Botschafter: Die Suspendierung von Nemi El-Hassan ist nicht legitim


Der frühere Israel-Botschafter Avi Primor und der Historiker Moshe Zimmermann warnen mit Blick auf eine Bild-Kampagne vor Falschdarstellung und Diskriminierung.

Hanno Hauenstein | Berliner Zeitung

Die Ärztin und Journalistin Nemi El-Hassan. Nemi El-Hassan

Knapp über einen Monat ist es her, dass Nemi El-Hassan durch eine – in Teilen offen rassistische – Kampagne aus dem Hause Springer vor den Augen der deutschen Öffentlichkeit zur Persona non grata erklärt wurde. Springer, allen voran die Bild-Zeitung und die Welt am Sonntag, hatte Bilder El-Hassans präsentiert, die sie 2014 auf dem sogenannten Al-Kuds-Marsch zeigten, einer antizionistischen Demonstration, auf der in den vergangenen Jahren oft auch antisemitische Parolen gerufen wurden.

El-Hassan, die sich in Beiträgen der vergangenen Jahre immer wieder aktiv gegen Antisemitismus und Rassismus sowie für interkulturelle Verständigung engagiert hat, hatte sich im Nachgang der Springer-Kampagne glaubwürdig für die Demo-Teilnahme entschuldigt. Die Springer-Kampagne gegen sie wirkte wie eine weitere Wegmarke in der inzwischen normalisierten deutschen Sehnsucht, die Deutungshoheit über Antisemitismus gegen Minderheiten in Anschlag zu bringen. Ob diese Minderheiten muslimisch, jüdisch oder links sind, scheint dabei kaum mehr eine Rolle zu spielen.

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