Sex, Lügen und Julian Reichelt


Ein Artikel in der „New York Times“ zeichnet ein Sittenbild des Medienhauses Axel Springer. „Sex, Journalismus und Firmengelder“ würden miteinander vermischt.

Joachim Huber, Kurt Sagatz | DER TAGESSPIEGEL

„Bild“-Chef Julian Reichelt steht durch einen Medienbericht erneut in der Kritik.Foto: Imago/Jörg Schüler

„Allegations of Sex, Lies and a Secret Payment“, der Titel in der „New York Times“ über Axel Springer lässt das Wasser im Mund zusammenlaufen. Endlich (nackte) Tatsachen über die Arbeitsweise und die Arbeitskultur in dem Medienkonzern, insbesondere über das Regime von „Bild“-Chef Julian Reichelt, der sich mit einer heftigen MeToo-Affäre konfrontiert sah und schon nach zwölf Tagen Untersuchung/Absenz durch seinen Arbeitgeber wieder seinen Journalismus praktizieren konnte.

Autor Ben Smith zielt aber über ein Sittenbild hinaus auf zwei Fragen: Kann ein derart geprägtes Unternehmen das jüngst erworbene US-Newsportal „Politico“ seriös führen, und wie steht es um einen (deutschen) Journalismus, der vor einer tiefergehenden Springer-Recherche lieber zurückschreckt als sich mit dem streitlustigen Konzern anzulegen?

Es mag Zufall oder kein Zufall sein, aber der „NYT“-Artikel wurde in dem Moment publiziert, als in den Ippen-Medien Details über das fragwürdige Gebaren auf Springers Chefetagen nicht erscheinen konnten, weil Verleger Dirk Ippen es verhinderte.

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