Die digitalen Schnüffler


Arbeitgeber nutzen in der Coronakrise vermehrt digitale Methoden, um Beschäftigte zu überwachen. Das ist nicht immer legal. Doch viele wissen gar nicht, dass ihr Chef sie ausspioniert.

Julia Hoffmann | jungle world

Die Realität sieht anders aus. Viele Beschäftigte wissen gar nicht, dass ihr Arbeitgeber sie digital überwacht Bild: mauritius images / Westend61 / Style-Photography

Mit Überwachung und Überprüfungen am Arbeitsplatz versuchen Arbeitgeber, die Einhaltung von Arbeitszeiten, die Erfüllung von Arbeitspensen und das Verhalten ihrer Angestellten zu kon­trollieren. Seit es dafür digitale Werkzeuge gibt, können personenbezo­gene Daten leichter erhoben, vernetzt und ausgewertet werden.

In der kürzlich veröffentlichten Studie »Digitale Überwachung und Kontrolle am Arbeitsplatz« untersucht der österreichische Datenschützer und Leiter der Nichtregierungsorganisation Cracked Labs, Wolfie Christl, wie weit die digitale Überwachung am Arbeitsplatz inzwischen fortgeschritten ist. Die Studie ist Ergebnis des Projekts »Gläserne Belegschaft«, das Cracked Labs in Kooperation mit österreichischen Gewerkschaften durchführte.

»Gegen digitale Überwachung am Arbeitsplatz kann eine einzelne Person kaum vorgehen.« Wolfgang Däubler, Arbeitsrechtler

Zu den Mitteln, die in Betrieben eingesetzt werden, gehören Mitarbeiter­überwachung per Zeiterfassung, Videoüberwachung, Einsicht in soziale Medien, Aktivitätsprüfung und GPS-Ortung. Auch sogenannte Monitoring-Tools und Social-Scoring-Systeme werden zur Überwachung am Arbeitsplatz genutzt. Monitoring-Tools können jeden Tastenanschlag des Arbeitnehmers und jede besuchte Website protokollieren. Social-Scoring-Systeme vergeben Punkte für Verhalten oder Eigenschaften von Personen und machen diese so vergleichbar.

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