Was erwartet die vermisste Elfjährige bei den „Zwölf Stämmen“?


Acht Jahre lang hat das vermisste Mädchen aus Eppisburg in einer Pflegefamilie gelebt, ist dort zur Schule gegangen, hat Freundschaften geschlossen. Jetzt ist sie mutmaßlich bei ihren Eltern bei den „Zwölf Stämmen“ – in einer ganz anderen Welt.

Judith Zacher | BR24

Ehemalige Niederlassung der Glaubensgemeinschaft „Zwölf Stämme“ in Klosterzimmern ©BR/Judith Zacher Bildrechte: BR/Judith Zacher

Kein Spielzeug, kein Fernseher, keine Süßigkeiten, kein Handy: Solche Dinge würden aus Sicht der Anhänger der „Zwölf Stämme“ nur Neid, Habgier und Selbstsucht fördern, sagt die Theologin Claudia Jetter, Expertin für Weltanschauungsfragen bei der Evangelischen Kirche. Kein Eigentum, keine Individualität, dafür ein Leben in der Gemeinschaft und absoluter Gehorsam gegenüber den Älteren: Das gehört zu den Grundprinzipien dieser Gemeinschaft. Eine Kindheit bei den „Zwölf Stämmen“ unterscheidet sich demnach beträchtlich von dem, was die Elfjährige bisher bei ihrer Pflegefamilie erlebt hat.

Hoffnung auf das 1000-jährige Friedensreich

Die Mitglieder der „Zwölf Stämme“ glauben laut Jetter, dass sie das einzig auserwählte Volk Gottes sind. Sie lebten in Erwartung des Messias, von Yashua. Der werde bald kommen, so ihr Glaube, um mit ihnen zusammen im 1000-jährigen Friedensreich zu leben und zu regieren, bis ein Endgericht über die Ungläubigen – also: alle außerhalb ihrer Gemeinschaft – richten werde. Dafür aber ist es ihrer Vorstellung nach unabdingbar, rein von Sünde und frei von Schuld zu sein. Von ihren Kindern verlangen sie deshalb absoluten Gehorsam und Respekt.

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