Islamismus mit Gendersternchen


Sie pflegt Kontakte zu islamistischen Organisationen, preist rassistische türkische Dichter – und inszeniert sich selber als Stimme der unterdrückten Minderheiten: Kübra Gümüsay ist eine schillernde Figur. Am Sonntag tritt sie in Bern auf.

Lucien Scherrer | Neue Zürcher Zeitung

Nichts gewusst, viele Zufälle: Kübra Gümüsay in einer ZDF-Talkshow, Dezember 2015. imago

«Wer um Gottes willen hat Kübra Gümüsay ins Haus der Religionen eingeladen?» Diese Frage stellt der Berner Künstler Johannes Lortz auf einem Wandbild bei der linksalternativen «Reitschule» und auf einem Flugblatt, das er am Sonntag vor dem Haus der Religionen verteilen will. Kübra Gümüsay, so schreibt Lortz, huldige rassistischen Denkern und Despoten. Sein Flugblatt endet mit der Parole «gegen jeden Faschismus, gegen jeden Antisemitismus, für eine gute Nachbarschaft».

Dass die deutsch-türkische Bloggerin, Autorin und Aktivistin Gümüsay am Sonntag ausgerechnet im Haus der Religionen auftritt, um bei einem vom Stadtpräsidenten eröffneten «Sofagespräch» über ihre Thesen zu referieren, mag auf den ersten Blick erstaunen. Denn die von der Stadt subventionierte Institution soll den kulturellen Dialog und die interreligiöse Toleranz fördern, zwischen Christen, Juden, Muslimen, Aleviten, Buddhisten und Sikhs.

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