Nach Reichelts Rauswurf: Warum der nächste Skandal schon warten könnte


Alle stürzen sich auf die Bild. Dabei ist die gesamte Medienblase anfällig für übergriffiges Verhalten, sie baut auf ein System ungleicher Kräfteverhältnisse.

Maxi Beigang | Berliner Zeitung

Mit Julian Reichelts Rauswurf ist in der deutschen Medienlandschaft noch nichts gelöst. imago

Die Medienwelt beschäftigt sich, mal wieder, mit sich selbst. Die Bild-Zeitung und mit ihr der Axel-Springer-Verlag erleben ihren GAU: Ihr Platzhirsch, der Bild-Chefredakteur Julian Reichelt, stolperte nun doch über bereits im März erstmals veröffentlichte Vorwürfe. Es geht um Machtmissbrauch, eine explosive Vermischung von Beruf- und Privatleben, das Ausnutzen von Abhängigkeitsverhältnissen. Reichelt wurde daraufhin von seinen Aufgaben entbunden.

Dass Medienbetriebe ein grundsätzliches Problem mit hierarchischen Strukturen haben, die Missbrauch von Macht und Belästigung begünstigen, unter Umständen auch fördern, ist dabei kaum überraschend. Interessierten – oder vielen Frauen – war die Alltäglichkeit eines krankenden System also schon lange vor den Recherchen von New York Times, Ippen und Spiegel bewusst. Denn die Branche hat über Jahrzehnte nahezu perfekte Bedingungen für möglichen Machtmissbrauch geschaffen. Wenn man über Missbrauch schreibt, denken die allermeisten aber an sexualisierte Gewalt, viele an vermeintlich harmlose Witze, die auch früher nie lustig waren. Vergessen werden dabei oft die alltäglichen Abhängigkeiten, die in diesen Kräfteverhältnissen entstehen.

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