Erdogan setzt auf große Eskalation mit dem Westen


Der türkische Präsident will im Streit um einen Aktivisten zehn Botschafter ausweisen. Die Attacke, vermuten einige, soll von der desaströsen Wirtschaftslage des Landes ablenken

Jürgen Gottschlich | DERSTANDARD

Ein Archivbild von Osman Kavala vor dem Jahr 2017 – seitdem befindet sich der 64-Jährige in U-Haft. Sein Schicksal ist nun Auslöser für eine beispiellose Attacke Recep Tayyip Erdoğans auf zehn Botschafter. Foto: AFP

Seit Samstagabend diskutiert die gesamte politische Türkei nur noch eine Frage: Wird er es wirklich tun? In einer Rede kurz davor hatte Präsident Recep Tayyip Erdoğan auf einer Großveranstaltung seiner Partei angekündigt, die Botschafter aus den USA, Deutschland, Frankreich, Kanada, Dänemark, der Niederlande, Norwegen, Schweden, Finnland und Neuseeland aus der Türkei hinauswerfen zu wollen.

„Kümmern Sie sich darum“, rief er von der Kundgebung in Eskişehir seinem Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu zu, „kümmern Sie sich darum, diese zehn Botschafter so schnell wie möglich zur ‚Persona non grata‘ zu erklären“, also zu unerwünschten Personen. Entweder diese Botschafter würden „lernen, die Türkei zu verstehen, oder sie müssen hier verschwinden“, rief er der begeisterten Menge zu.

Skepsis in eigener Partei

Die Begeisterung seiner Fans für eine solche bislang beispiellose Eskalation gegenüber dem Westen wird aber offenbar selbst in seiner Partei nicht überall geteilt. Schon ein Blick in die Zeitungen am Sonntag zeigt, dass die regierungsnahe Presse nicht so recht weiß, wie sie mit dem neuesten Vorstoß ihres Bosses umgehen soll.

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