Daniela Dahn: Was ich über Ungeimpfte in meinem Umfeld beobachte


Die Schriftstellerin Daniela Dahn sieht eine neue, diskriminierte und ausgegrenzte Minderheit im Lande: Die Ungeimpften.

Daniela Dahn | Berliner Zeitung

Daniela Dahn. Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Es gibt eine neue, diskriminierte und ausgegrenzte Minderheit im Lande. Gerade die öffentlich-rechtlichen Medien erzählen gern das Märchen von den Guten und den Bösen. Das geht in Ordnung, denn es dient der staatlichen Ordnung. In der die Atmosphäre offenbar noch nicht gereizt und unsolidarisch genug war. Nur einige couragierte Schauspieler, Wissenschaftler und wenige Autoren ergreifen dagegen Partei. Denn wer jetzt noch widerspricht, wird immer öfter gelöscht – in den Orkus der unsozialen Medien. Die inquisitorische Stigmatisierung des Zweifels muss als Form struktureller Gewalt empfunden werden.

Die Pandemie geht vorerst zurück, aber nicht so herdenmäßig wie angekündigt. Die Gründe sind unklar, aber klar ist, wer Schuld hat: Die Ungeimpften. Dass auch Geimpfte infektiös sein können, ist tabu. Der Deutschlandfunk, ein der Dissidenz sonst unverdächtiger Sender, fragte am 31. August 2021: „Können Geimpfte andere Menschen anstecken?“ Und antwortete: „Gerade bei der Delta-Variante wirken die Impfstoffe nicht so gut. Man kann sich infizieren und das heißt, man kann auch wieder andere anstecken.“ Dummerweise haben wir es in Deutschland fast ausschließlich mit der Delta-Mutation zu tun.

Was nicht zu unterschätzen ist und für die Impfung spricht: offensichtlich schützt sie eine Zeitlang vor schweren Verläufen. Allerdings werden die „Einzelfälle“, bei denen diese Zeit kurz ist, von Tag zu Tag mehr. Die 2G-Experimente im Szene-Club Berghain oder in Klubs in Kreuzberg und anderen Städten haben allesamt zu beachtlichen Infektionen geführt.

weiterlesen