Warum wir (nicht) glauben


Woraus entspringt die menschliche Religiösität und der Glaube an explizite Gottheiten? Drei Erklärungsansätze haben sich in den letzten Jahren herauskristallisiert: ein sozialpsychologischer, ein kognitiver und ein kontextueller. Ein Team von Forschenden hat diese Ansätze in einer umfangreichen Studie auf die Probe gestellt.

Adrian Beck | hpd.de

Drei Theorien des Atheismus

Säkularisierung – Die sozialpsychologische Säkularisierungstheorie vermutet, dass religiöse Gefühle und Gemeinschaften die Funktion eines gesellschaftlichen Klebers erfüllen. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass der Glaube an einen rachsüchtigen Gott Gesellschaften zusammenhalten kann. Diesem Ansatz folgend entsteht Atheismus aus wohlhabenden und angstfreien gesellschaftlichen Strukturen, in denen die Individuen nicht gegenseitig ums Überleben wetteifern müssen.

Kognition – Der kognitive Ansatz postuliert einen direkten Zusammenhang zwischen neurologischen Strukturen und Religiösität. Demzufolge sei die Fähigkeit unseres Gehirns, zu abstrahieren und zu repräsentieren ausschlaggebend dafür, dass sich Religionen entwickelt haben. Kurz gesagt: Ein Lebewesen, das fähig ist, in seinem Geist (noch) nicht existierende Entitäten zu visualisieren, sprich, Pläne zu fassen und sie auszuführen, wird diese Fähigkeit automatisch auf andere Lebensbereiche anwenden. Religiösität kann in dieser Theorie als „Werkseinstellung“ des menschlichen Gehirns betrachtet werden. Analog dazu ist Atheismus „das Ergebnis zielgerichteter, anstrengender Arbeit„.

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