Wie Frankreichs jüdische Bevölkerung aus den Banlieues vertrieben wird


In den Pariser Banlieues grassiert der Antisemitismus. Tausende jüdische Familien ziehen weg, um den immer gewalttätigeren Attacken zu entgehen

Stefan Brändle | DERSTANDARD

Der Tod der französischen Jüdin Sarah Halimi hat Frankreich schockiert – und auch in Israel wurde gegen die Einstufung des Täters als unzurechnungsfähig protestiert. Foto: JACK GUEZ / AFP

Heute wohnt Stella Bensignor in einem anonymen Wohnblock eines anonymen Pariser Vororts. Dessen Namen will die jüdische Französin lieber nicht in der Zeitung sehen: „Man weiß ja nie, was diesen Leuten noch alles in den Sinn kommt.“

Es war an einem kalten Märztag, als „diese Leute“ Stella Bensignor das erste Mal heimsuchten. Sie brachen in ihr Einfamilienhaus in Romainville östlich von Paris ein, stahlen Kreditkarten, Schmuck, Playstation und einen Scooter. Zum Glück wachten weder Stella noch ihr Mann noch ihre drei Kinder auf. Sie erstatteten Anzeige bei der Polizei. „Als ich darauf eines Morgens zur Arbeit fahren wollte, hatte jemand in riesigen Lettern ‚Jude‘ und ‚Israel‘ in die Türen meines Autos gekratzt“, erzählt Stella, und es kostet sie sichtlich Überwindung. „Ich bekam weiche Knie, begann zu zittern. Und als ich den Wagen danach zum Spengler brachte, stellte er fest, dass die Muttern an den Rädern meines Opel Mokka gelöst worden waren.“

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