Darf man Grote so 1 Pimmel nennen?


Hamburgs Innensenator wollte einen Tweet unterdrücken, in dem er als „Pimmel“ bezeichnet wurde. Nun nennt ihn die halbe Stadt so. Ein Pro und Contra.

Kaija Kutter | taz

Der erste Streich: Kunstwerk an der Roten Flora Foto: Thomas Müller/dpa

Ja

Es ist nicht schön, beleidigt zu werden. Man kann sich eine dicke Haut antrainieren, es weglachen, nicht hinhören, aber trotzdem: Gern lässt man sich nicht mit Schimpfwörtern belegen. Das gilt vermutlich auch für Andy Grote. Politiker hin, Innensenator her.

Doch die Privatperson Grote nun in Schutz zu nehmen, weil eine fiese Pimmelkampagne gegen ihn gestartet wurde, geht am Thema vorbei. Es war das gute Recht des Innensenators, nach der Ursprungsbeleidigung auf Twitter im Mai Anzeige zu erstatten. Doch „Du bist so 1 Pimmel“ richtet sich schon lange nicht mehr gegen ihn als Person. Der Pimmel ist als politisches Symbol längst über sich hinausgewachsen.

Das eigentliche „Pimmelgate“ beginnt nicht mit der Beleidigung, sondern danach: Es beginnt, als die Polizei wegen der fast kindlichen Schmähung eine Hausdurchsuchung beim Tweet-Verfasser machen will. Es kippt ins Groteske, als die Staatsanwaltschaft die Durchsuchung genehmigt – obwohl der Verfasser zu dem Zeitpunkt längst geständig ist. Es köchelt weiter, als Po­li­zis­t*in­nen sich vom NDR dabei filmen lassen, wie sie Aufkleber mit dem Tweet-Inhalt von Laternenmasten abknibbeln.

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