Reinhard Döring war im Urlaub verhaftet worden, er sollte nach Chile ausgeliefert werden. Opfer und Menschenrechtler sind entsetzt.
Peter Burghardt | Süddeutsche Zeitung
Würde dieser Fall der Colonia Dignidad ausnahmsweise anders enden als die meisten Fälle dieser kriminellen Vereinigung, dann stünde Reinhard Döring vermutlich ein Prozess bevor. Der 75-Jährige zählte zum Führungskreis der deutschen Horrorriege in Chile, ihm werden schwere Verbrechen vorgeworfen. Kürzlich wurde der Deutsche im Urlaub in Italien verhaftet und sollte nach Chile ausgeliefert werden. Doch nun soll sich Döring wieder nach Deutschland abgesetzt haben, in den sichersten Hafen für Angeklagte oder Verurteilte seiner Riege.
Chile beschuldigt das ehemalige Führungsmitglied der Kolonie, 1976 an der Entführung von drei Regimegegnern der damaligen Militärdiktatur beteiligt gewesen zu sein. Ermittlungen entkam er 2005 durch Flucht ins Rheinland, wo etliche ehemalige Kolonisten leben. Der internationale Haftbefehl wird von den deutschen Behörden ignoriert. Festgenommen wurde Döring nun überraschend Ende September am Mittelmeer, er machte Ferien. Chile verlangt seine Überstellung, aber inzwischen durfte er das Florentiner Gefängnis verlassen. Was ist diesmal passiert?