Die Barmer-Krankenkasse warnt: In den nächsten zehn Jahren braucht Deutschland deutlich mehr Pflegekräfte. Der Beruf soll attraktiver werden – nicht nur mit höheren Löhnen
Bernd Müller | TELEPOLIS

In Deutschland steuert die Pflege auf einen dauerhaften Notstand hin. Bis zum Jahr 2030 werden voraussichtlich über 182.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt. Und das sind nur konservative Annahmen, wie es im „Pflegereport“ der Barmer Krankenkasse heißt, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Das liegt unter anderem auch daran, dass bis dahin die Zahl der Pflegebedürftigen von aktuell 4,5 Millionen auf rund sechs Millionen steigen dürfte.
„Bereits heute fehlen tausende Pflegekräfte und tragende Konzepte, wo diese Menschen herkommen sollen“, sagte Kassenchef Christoph Straub. Deutschland sei auf dem besten Wege, in einen prekären Pflegenotstand zu geraten, warnte er. Damit es nicht so komme, solle die neue Bundesregierung die Pflegeausbildung attraktiver machen. Und damit die Pflegebedürftigen nicht in die Armut abrutschen, sollten zugleich die Leistungsbeiträge der Pflegeversicherung einmalig angehoben und später regelmäßig angepasst werden.
Anspruch: hochwertig, aber bezahlbar
Entscheidend sei, dass Pflege qualitativ hochwertig und gleichzeitig bezahlbar bleibe, sagte Straub. „Ein wichtiger Baustein dabei ist, dass die Bundesländer endlich ihrer Pflicht nachkommen, die Investitionskosten vollumfänglich zu übernehmen.“ Das würde die Pflegebedürftigen zumindest bei den Eigenanteilen etwas entlasten. Bislang werden ihnen diese von den Heimbetreibern in Rechnung gestellt, was dazu beiträgt, sie finanziell zu überlasten.
Heinz Rothgang, Autor des „Pflegereports“ und Professor an der Universität Bremen, wies auf den deutlich höheren Finanzbedarf hin. Dieser werde auch ohne weitere Verbesserungen bei den Leistungen von 49 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf 59 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 steigen. Aber, darauf wies Rothgang auch hin, weitere Leistungsverbesserungen seien gleichwohl notwendig.