Marie Dinkel: „Ich dachte, ich darf nichts sagen“


Sexuelle Gewalt im Sport hat auch Marie Dinkel erlebt. Als Jugendliche wird sie monatelang von ihrem Judotrainer missbraucht. Bis sie sich wehrt und mit ihren Eltern spricht. Heute macht sie anderen Betroffenen Mut.

Julia Dorny | Deutsche Welle

Judokämpferin Marie Dinkel möchte Betroffenen von sexueller Gewalt helfen

„Das Einzige, was ich gedacht habe, war, warum hilft mir denn niemand?“ – so erinnert sich Marie Dinkel an die schlimmste Zeit in ihrem Leben. Mit 13 Jahren rücken sie und zwei weitere Mädchen ins Leistungsteam ihres Vereins TV Gladenbach auf, einem Sportverein mit Judo-Abteilung in einem Dorf etwa 75 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main. Neben dem regulären Training erhalten die Mädchen nun gezieltes Einzeltraining in „einem kleinen, separaten Raum einer Schulturnhalle“, erinnert sich Dinkel. „Dadurch, dass wir drei Mädchen waren, musste eine immer mit ‚ihm‘ trainieren.“

„Er“ war eigentlich Dinkels Lieblingstrainer, bis es zu mehreren Übergriffen kam. „Ich habe ihm vertraut, aber ich dachte damals, dass ich nichts sagen darf, weil ich das ja verdient habe“, erinnert sich Dinkel. „Weil ich im Training nicht gut war, auf dem letzten Wettkampf nicht gut abgeschnitten habe und dass es irgendeinen Grund haben muss, dass ich so behandelt werde.“

Eng geschnürte Judohosen

Sie weiß noch genau, wie ihr Trainer bei einer Übung ihr Becken mit seiner Hüfte fixierte. „Er hat dann von hinten in meine Hose gegriffen. Ich konnte mich daraus nicht befreien, weil ich in Schockstarre war“, sagt Dinkel. „Ich habe gewartet, dass es vorübergeht.“ Ein weiterer Übergriff sei in einem größeren Trainingsraum passiert.

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