Türkei: Zinsen als Sünde


Nureddin Nebati macht Finanzpolitik ganz auf der Linie von Präsident Recep Tayyip Erdoğan – nämlich nach religiösen Prinzipien. Die Lira stürzt ab.

Jürgen Gottschlich | taz

Viele würden ihn als Islamisten bezeichnen: Nureddin Nebati ist neuer Finanzminister der Türkei Foto: Isa Terli/Anadolu Agency

Nur ein Jahr hat sich sein Vorgänger im Amt gehalten – die politischen Unterschiede zu Präsident Recep Tayyip Erdoğan waren zuletzt immer mehr kollidiert. Und nun hat die Türkei einen neuen Finanzminister: Nureddin Nebati ist seit Donnerstag im Amt.

Eine kurzlebige Karriere wie die seines Vorgängers braucht der 57-jährige Nebati nicht zu befürchten. Mit dem Wechsel hat Erdoğan nämlich endgültig alle ökonomisch relevanten Posten mit Leuten besetzt, die seine religiös determinierte Niedrigzinspolitik unterstützen. Nureddin Nebati ist ein tief religiöser Mann, viele würden ihn als einen Islamisten bezeichnen. Er ist aktiv im „Komitee zur Befreiung Jerusalems“, sitzt in mehreren anderen islamistischen Vereinigungen und kommentierte seine Berufung zum Finanzminister auf Twitter mit der Bemerkung, Gott möge ihm die Kraft geben, den Erwartungen des Präsidenten gerecht zu werden.

weiterlesen