Mit antijüdischen Deutungen aufräumen


Das jüdisch-christliche Verhältnis ist von vielen Vorurteilen belastet und manche gehen auf ein falsches Verständnis des Neuen Testaments zurück. Ein neues Buch erklärt nun diesen christlichen Grundlagentext aus jüdischer Sicht.

Gerald Beyrodt | Deutschlandfunk Kultur

Die Bergpredigt (hier eine Abbildung von 1870) wird oft als Bruch mit jüdischen Geboten gedeutet. Tatsächlich aber sei sie als Verschärfung zu verstehen, betonen jüdische Kommentatoren. ©imago / imagebroker

Es war die Zeit eines großen Streits zwischen verschiedenen jüdischen Gruppen: den Anhängern Jesu Christi und denen, die mit Jesus Christus nichts am Hut hatten. Es war die Zeit eines Risses zwischen Christusgläubigen und den anderen – ein Riss, der zur Spaltung wurde und schließlich zwei Religionen hervorbrachte: die christliche und die jüdische. Und es war die Zeit großer Polemiken. In dieser Situation sind die Schriften des Neuen Testaments entstanden, etwa vom Jahr 60 bis etwa 120 nach Beginn der allgemeinen Zeitrechnung.

Aus der Rivalität entstanden

Vieles hat man später als eine Abrechnung mit den Juden verstanden. Dabei war es möglicherweise ein Streit zwischen rivalisierenden Gruppen, die sich sehr nahe waren. Dieses Verhältnis wollen die jüdischen Autorinnen und Autoren von „Das Neue Testament jüdisch erklärt“ entwirren – mit detaillierten Kommentaren zu den Evangelien, Briefen und sonstigen Texten. Die Herausgeberin Amy-Jill Levine und der Herausgeber Marc-Zvi Brettler der englischen Originalausgabe schreiben in der Einleitung zum Matthäus-Evangelium:

Ob die Evangelien an und für sich schon antijüdisch waren, bleibt Gegenstand lebendiger Diskussionen; was wir aber mit Sicherheit sagen können, ist, dass sie von Christen bald antijüdisch interpretiert wurden.

Amy-Jill Levine und Marc-Zvi Brettler

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