Freikaufen aus Berliner Gefängnissen: „Wir erwarten keine Dankbarkeit“


Die Initiative Freiheitsfonds kauft Menschen aus Berliner Gefängnissen frei. Initiator Arne Semsrott kritisiert das System der Ersatzfreiheitsstrafe.

Plutonia Plarre | taz

Wer zu oft ohne Fahrschein fährt, kann hier landen: Die Justizvollzugsanstalt Berlin-Plötzensee Foto: picture alliance / Paul Zinken/dpa | Paul Zinken

taz: Herr Semsrott, die Initiative Freiheitsfonds hat letzte Woche 21 Menschen aus Berliner Gefängnissen freigekauft, die wegen Fahrens ohne Fahrschein Ersatzfreiheitsstrafen verbüßt haben. Wie kam es dazu?

Arne Semsrott: Die Idee gibt es schon seit zwei oder drei Jahren. Durch eine Kooperation von der Online-Plattform FragDenStaat mit dem ZDF Magazin Royale hatten wir nun aber die Möglichkeit, noch mal eingehender zu recherchieren zum Thema Fahren ohne Fahrschein und die Hintergründe aufzuzeigen. Die Initiative zum Freikaufen ist davon aber unabhängig.

Allein in Berlin verbüßen pro Jahr über 500 Menschen Ersatzfreiheitsstrafen, weil sie ihre Geldstrafe nicht bezahlen können. Kann man einfach so für jemanden die Geldstrafe übernehmen?

Ja, aber es muss das Einverständnis der Betroffenen vorliegen. In unserem Fall haben wir in den Gefängnissen Formulare verteilen lassen, auf denen sich die Betroffenen ausdrücklich einverstanden erklärt haben. Grundsätzlich kann man auch über Anstaltsbeiräte Gefangene kontaktieren. Die Gefängnisse haben in der Regel auch kein Interesse daran, dass Leute wegen so etwas bei ihnen sitzen.

Kommen die Menschen sofort frei, wenn die Geldstrafe bezahlt ist?

Das kommt darauf an, wie man bezahlt. Wenn das vor Ort in bar geschieht, wie wir das gemacht haben, erfolgt das im Prinzip sofort.

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