Die unangemeldeten und verbotenen Corona-Demonstrationen in ganz Deutschland offenbaren, wie breit und tief die Kluft zwischen Ordnung und Teilen der Gesellschaft geworden ist – Eine Nahaufnahme
Thomas Moser | Krass & Konkret

„Es kommt, was in den vergangenen Monaten bundesweit oft geschieht: Aus sogenannten Spaziergängen werden gewalttätige Marschkolonnen.“ Süddeutsche Zeitung vom 28. Dezember 2021
„Sogenannte Spaziergänge“. Ein anderes Medium sprach in Abwertungsabsicht unfreiwillig komisch von „selbsternannten Spaziergängern“, als ob es sich um einen Titel handeln würde. Seit Wochen steigt die Zahl dieser Spaziergang-Demonstrationen gegen die willkürliche und perspektivlose Coronapolitik und mit ihnen steigt auch die Zahl der Teilnehmenden. Tatsächlich gibt es diese Form politischen Verhaltens in der Pandemie seit langem. Es war bisher nur nicht der Rede wert.
Während in vielen kleinen Gemeinden bereits seit 2020 still und mit Kerzen demonstriert wird, wird in anderen jetzt erst der Anfang gewagt. Eine Bewegung ohne Führung, ohne Zentrale oder große Organisation. Pure Reaktion auf eine als feindlich empfundene Politik und Ausdruck dessen, denselben Bedingungen unterworfen zu sein. Überrascht von dieser Entwicklung kann nur sein, wer sie nicht erkannte oder erkennen wollte. Zum Beispiel, weil keine Lokalzeitung darüber berichtet hätte.